Handyfreie Zeit

Besonders oft ist mir mein Telefon noch nicht runter gefallen. Außerdem schützt seit dem ersten Tag eine Hülle und eine Schutzfolie das Gerät.

Am Donnerstag vor einer Woche ist es dann passiert. Das Handy entgleitet meinen Händen. Als ich es anschalte, stelle ich fest, dass das Display an der rechten Seite einen 3 mm breiten weißen Streifen hat. Es lässt sich aber trotzdem bedienen. Natürlich ärgere ich mich. Da es aber noch zu bedienen ist und lediglich der Streifen stört, erscheint mir baldiges Handeln noch nicht angebracht.
Im Laufe des Tages machen sich allerdings weitere Ausfallerscheinungen am Display bemerkbar. Der Bildschirm bekommt immer mehr schwarze Punkte. Am nächsten Tag ist es so schlimm, dass ich mich entscheide, etwas zu unternehmen.

Meine Tochter hatte das gleiche Modell. Ihr Display war vor einiger Zeit beschädigt und ich hatte dafür einen Ersatz bestellt. Mein Angebot, ihr Telefon zu reparieren, ist nie angenommen worden. Sie hat irgendwann ein anderes Telefon bekommen. So hatte ich also noch ein Display zu Hause und beschloss, es selbst auszuwechseln.
Schließlich hatte ich schon in der Schule Platinen für Radios gelötet. Dass ich allerdings das Meiste, was ich auseinander gebaut hatte, nie wieder richtig zusammen setzen konnte, war mir nicht mehr bewusst. Immerhin hatte ich vor wenigen Monaten unseren Staubsauger dank eines Videotutorials aufgeschraubt, zerlegt und das defekte Kabel am Ende der Kabelrolle repariert. Das Gerät konnte ich sogar ordentlich wieder zusammensetzen. Das ganze wiederholte ich kurze Zeit wieder, da ich das Kabel nur zusammengezwirbelt hatte und neu isoliert. Beim zweiten mal habe das Kabel fachgerecht instand gesetzt. Seitdem funktioniert der Staubsauger und ich traue mir zu, auch andere Dinge zu reparieren.

Ich schaue mir also wieder Videos an und setze mich an die Reparatur. Laut Video soll das nur wenige Minuten dauern. Zunächst erwärme ich mit einem Fön das Display, um den Kleber zu lösen. Der klebt besser als gedacht. Aber irgendwann gelingt es mir, das Display zu entfernen. Meine Tochter unterstützt mich dabei. Ich schließe das neue Display an und teste es. Funktioniert. Ich bin optimistisch. Was mich etwas irritiert ist, dass anders als im Video kein Kleber dabei ist. Zudem ist das Ersatzteil dicker als der Originalbildschirm. Dennoch bringe ich es zu Ende.
Nach dem Neustart stelle ich fest, dass ich den Bildschirm beim Einbau beschädigt habe. Eine emotional durchaus herausfordernde Situation. Immerhin war ich seit über einer Stunde mit dieser Aktion beschäftigt. Als ich dann den PIN eingebe, tippe ich die verkehrte Kombination ein. Der Ärger nimmt zu. Jeden Morgen gebe immer den gleichen PIN ein und vertippe mich nie. Aber nun folgen noch drei weitere Fehlversuche. Ich bin am Ende. In meinen Unterlagen finde ich auch keinen PUK mehr.

Nach einem Gespräch mit meiner Frau, bringe ich das Gerät zum Handyshop in der Nähe und lasse es dort reparieren. Am nächsten Tag konnte ich es abholen.
In der Zwischenzeit habe ich beim Telefonanbieter angerufen, um den Code zu erfahren, um die SIM-Karte wieder freischalten zu können. Leider wusste ich keine Zugangsdaten, Codes oder sonst etwas. Ich war verzweifelt. Ich musste auf einen Brief des Anbieters warten..

Von Freitag auf Samstag war ich also einen Tag ohne Handy. Das waren Stunden, in denen mir sehr bewusst geworden ist, wie viele verschiedene Dinge ich damit erledige und dass ich das Gerät täglich nutze. Manche Tage nutze ich es auch recht wenig. Aber das interessiert ja nicht, wenn es kaputt ist.
In den folgenden Tagen habe ich recht oft in den Briefkasten geschaut. Mittwoch und Donnerstag war ich dann auch noch beruflich auf Fortbildung. Immerhin konnte ich das Telefon im WLAN nutzen und mich über einen Messangerdienst zu Hause melden oder auch Absprachen tätigen.

Als ich dann wieder zu Hause ankam, war auch der sehnlich erwartete Brief da. Kurze Zeit später war auch meine Telefonkarte wieder freigeschaltet.
Die ganze Geschichte hat eine Woche gedauert. Und ich bin froh, nun weniger Gedanken auf dieses Thema verwenden zu müssen.

Wie war das eigentlich vor ein paar Jahren, als wir noch keine Handys hatten?
Da hat das Leben doch auch funktioniert.

Drei Walnüsse für mich

Ich war beim Check-up. Ein paar Tage vorher wurde mir Blut abgenommen.
Nun saß ich im Behandlungszimmer. Blutdruck und Puls wurden gemessen. Alles Bestens.

Mein Hausarzt hatte diesmal eine Medizinstudentin dabei. Das war für mich absolut okay. Der medizinische Nachwuchs muss ja auch in der Praxis lernen. Und es sollte sich herausstellen, dass ich dadurch auch noch etwas lernen konnte.

Nur einer meiner Werte ist leicht erhöht. Das Cholesterin. Nicht dramatisch. Muss wohl Veranlagung sein.

Auf meine Frage, ob man da mit Ernährung etwas machen könne, antwortete er, dass ich ausgewogen essen solle, er mich aber so einschätzt, dass ich es sowieso schon tue. In der Tat hat er Recht. Ich hake nach: „Wie ist das mit Chips und Schokolade?“ Das sei okay. „Sie können aber auch den ganzen Tag Reiswaffeln essen. Nur dann macht das Leben keinen Spaß mehr.“ Der Humor gefällt mir. Dann fügt er noch an, dass ich Fastfood vermeiden sollte. Aber da bin ich nicht so gefährdet.

Mein Arzt erzählt der Studentin einiges, von dem ich allerdings Null verstehe. Als er sich wieder mir widmet, empfiehlt er, mich im nächsten halben Jahr bei einem Kardiologen vorzustellen und meine Adern am Hals schallen zu lassen, um zu sehen, ob da Ablagerungen seien.
Daraufhin spricht er mit der Studentin über Medikamente für die Gefäße, um dann zu erwähnen, dass Walnüsse dafür gut seien. Drei Walnüsse am Tag würden reichen, aber das macht wohl kaum jemand. „Herr Sperling, können Sie drei Walnüsse am Tag essen?“ Ich bin mir nicht sicher. Aber ich weiß, dass wir zu Hause noch eine Schale mit Walnüssen stehen haben. Ich zucke mit den Schultern.

Sport und Bewegung sind auch noch wichtig. Aber ich sehe so aus, als ob ich mich auch daran halten würde. Ich muss ihn enttäuschen. Ich habe seit eineinhalb Jahren keinen Sport mehr gemacht. Ich war vorher im Fitnessstudio. Aber jetzt hatte ich keine Lust auf das ständige desinfizieren. Ich will in ein paar Wochen wieder Anfangen, wenn Corona weniger geworden ist. Er empfiehlt mir zu laufen.

Ich: „Joggen ist nicht so mein Ding.“
Er: „Wie ist es mit Fahrrad fahren?“
Ich: „Vielleicht.“
Klingt nicht sehr überzeugend. Aber mein Arzt gibt sich damit zufrieden.

Die Medizinstudentin hört mich ab und prüft, ob ich gerade gehen kann.

Dann kommt das Hautscreening. Dabei lerne ich etwas über die fünf Kriterien auf die es dabei zu achten gilt. Als er meine Füße anschaut, fragt der Arzt, ob wir wüssten, woran Bob Marley gestorben sei? Intuitiv würden auf diese Frage die meisten „Kiffen“ antworten. Aber: Marley hatte unter seinem Fuß ein Karzionom, das falsch behandelt worden sei, weil er nicht wollte, dass seine Haare ausfallen.

Bei mir war alles in Ordnung.
Er stellt mir eine Überweisung aus.

Zuhause rufe ich beim Kardiologen an und bekomme einen Termin in vier Monaten. Den nehme ich.

Am Nachmittag stehe ich in der Küche vor der Schüssel mit den Nüssen. Ich nehme den Knacker aus der Schublade und esse drei Walnüsse. Das tue ich seitdem jeden Tag. Heute ist bereits der fünfte Tag. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte.

Als ich die Suchmaschine befrage, erfahre ich, dass Chips bei Cholesterin eher suboptimal sind. Ich halte mich in den nächsten Tagen zurück. Nur am Freitag Abend habe ich mir ein paar Chips gegönnt.
Jetzt muss ich nur noch sehen, dass ich wirklich wieder mit Sport anfange. Erstmal einige Übungen, die ich zuhause machen kann. Und in ein paar Wochen im Fitnessstudio anmelden und auch hingehen.

In Worten: Fünfundfünfzig

Um es gleich am Anfang zu schreiben: Ich bin sauer. Vergrellt, wie wir im Norden sagen würden. Der erste Rauch ist allerdings schon verflogen, sodass ich ein paar Sätze in die Tastatur tippen kann.

Was ist passiert? Nun, ich habe eine Ordnungswidrigkeit begangen. Ende Januar bekam ich Post vom Ordnungsamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Das Verwarnungsgeld beträgt 55 Euro!

Ich hatte beim Parken in unserer Straße einen Teil des Gehwegs mitbenutzt, wie es alle anderen auch tun. Denn ansonsten wird es ziemlich eng. Das machen wir schon so seit wir in Darmstadt wohnen. Wir haben uns auch einen Parkausweis für Anwohner besorgt. Kosten: 120 Euro pro Jahr.

Als ich die Verwarnung las, habe ich entschieden, nicht zu bezahlen.

Die Stadt hatte zum Jahreswechsel die Regelungen für das Parken geändert. Aber ich wollte nicht einsehen, warum ich solch einen hohen Betrag bezahlen soll für etwas, was drei Wochen vorher noch rechtens gewesen war. Und dann gleich so viel Geld. Das stand für mich in keinem Verhältnis. Als ich im letzten Jahr ebenfalls in der Wissenschaftsstadt Darmstadt in einer Tempo 30 Zone geblitzt wurde, habe ich die Strafe von 25 Euro ohne zu zögern gezahlt. Als ich vor vielen Jahren mal in meiner Heimatstadt Greifswald fürs falsch Parken 10 oder 15 Euro (oder waren es noch D-Mark?) zahlen musste, war das zwar ärgerlich, aber okay. Aber von heute auf morgen 55 Euro für etwas zahlen zu müssen, was vorher frei war, hat mich geärgert.

Ich erinnere mich an einen Vorfall in Slowenien im Sommer vor 20 Jahren. Da bin ich auf der Rückfahrt aus dem Kroatienurlaub bei der Einfahrt in eine Baustelle auf der Autobahn mit der Radarpistole geblitzt worden. Ich fuhr mit dem Auto eines Freundes, hatte vergessen das Tagfahrlicht anzuschalten, war zu schnell und bin noch an einem Kleinwagen vorbeigefahren, der gerade vom Standstreifen auf die Fahrbahn zog.
20 km/h zu schnell, überholen im Überholverbot und kein Licht!
Der Polizist winkte mich raus und forderte von mir einen Betrag in der einheimischen Währung. Die hatte ich natürlich nicht dabei. Er ließ sich nach einiger Diskussion darauf ein, dass ich auch in Euro bezahlen könne. Ich gab ihm die geforderten 50 Euro und war froh weiterfahren zu können. Zwar hatte ich den Eindruck, dass der Polizist in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte und mit seinem Freund, der kurz vor mir auf die Fahrbahn zog, geteilt hat. Aber was hätte ich machen sollen?

Nachdem ich den Brief des Ordnungsamtes bekommen hatte, schrieb ich eine Email an die Sachbearbeiterin. Ich löschte die Hälfte des Textes und schickte sie ab. Meine provokanten Äußerungen zum Bescheid und der Ärger, der in die Email floss, hätten mir nicht weiter geholfen. Gestern kam nun ein erneutes Schreiben. Meine vorgebrachten Argumente seien verständlich, das Verfahren könne allerdings aus rechtlichen Gründen leider nicht eingestellt werden. Auf der Seite der Straße, an der ich geparkt hatte, ist das teilweise Parken auf dem Gehweg nicht erlaubt. Auf der gegenüber liegenden Seite jedoch schon. Also werde ich mit etwas Ärger im Bauch bezahlen.

Im Nachdenken darüber, warum mich diese Situation so stört, fiel mir ein, dass wir in einer immer weiter wachsenden Empörung leben. Ich weiß von vielen, dass die Verkehrspolitik in der Wissenschaftsstadt Darmstadt kritisch gesehen wird. Das Autofahren wird einem immer mehr vermiest, was ich auf der einen Seite sogar verstehen kann.

Darüber hinaus leben wir aber auch in einer aufgeladenen und angespannten Zeit. Bereits einige Jahre vor der Coronapandemie hatte ich den Eindruck gewonnen, dass in der Bevölkerung an vielen Stellen etwas gährt. Deutschland ist zwar wirtschaftlich immer noch stark. Aber an vielen Stellen bröckelt es. Die Pandemie offenbart nun viele dieser Brüche und Risse.

Für mich gab es vor etwa 15 Jahren ein Erlebnis, als ich mir in Hagen die grandiose Vorstellung des Kabarettisten Urban Priol anschaute. Dabei gab es einen Moment an dem ich dachte: Wenn er jetzt dazu aufruft, dass wir alle geschlossen den Saal verlassen und draußen demonstrieren, wir hätten es getan.

Und in der Tat hat die Bereitschaft der Bevölkerung, auf die Straße zu gehen immer mehr zugenommen. Es gibt eine wachsende Unzufriedenheit, eine fortschreitende Polarisierung und eine steigende Verunsicherung. Aktuelle Beispiele, wie der bayrische Ministerpräsident, der ein Gesetz, das er selbst mitbeschlossen hat, nicht umsetzen will, trägt nicht zu einer versöhnenden und befriedenden Veränderung bei. Wieso kann er es sich erlauben, während ich bezahlen muss? Ich würde auch gern eine Übergangsfrist bekommen.

Nun ja. Ich bezahle und hoffe, dass wir aus der Empörungskultur heraus kommen. Denn die fortschreitende Polarisierung, verbunden mit Aggressionen und Auseinandersetzungen tun uns als Gesellschaft nicht gut.

Wir brauchen Versöhner, die authentisch, klar und verlässlich sind. Wir brauchen eine Idee einer Gesellschaft, die hoffnungsvolle Perspektiven für eine Zukunft entwickelt.

Ehrlich gesagt: Ich bin nicht sicher, ob wir das schaffen. Doch zu wünschen wäre es.

Frohe Weihnachten

Wieder mal steht Weihnachten vor der Tür.
In den letzten Jahren hatte ich zwei Tracks aufgenommen, welche die Weihnachtsgeschichte humorvoll thematisieren.

Zum einen aus der Sicht eines Fußballkommentators:

Zum anderen als Ansage im Zug:

Viel Spaß damit und frohe und gesegnete Weihnachten!

Was für eine Geschwindigkeit

Es ist der Samstag vor dem ersten Advent. Meine Frau und ich laufen mit einer unserer Töchter durch den Baumarkt. Im Sommer sind wir als Familie umgezogen. Ein paar Dinge sind noch unerledigt geblieben. So arbeiten wir uns Stück für Stück weiter voran.
Weil wir noch Blumentöpfe brauchen, gehen wir in die Gartenabteilung. Da fallen mir die vielen Tannenbäume auf. Sie stehen da in den unterschiedlichsten Größen – mit und ohne Wurzeln. Aus einem Radio schallen Weihnachtslieder. Zum Glück nicht dieses eine schreckliche, das immer läuft. Zwei Thermo-Behälter mit kostenlosem Glühwein stehen inmitten der Bäume. Ich verzichte. Muss ja noch fahren.

Als ich so die Situation betrachte und beginne, mich leicht rhythmisch zu den Liedern zu bewegen, kommt mir das Ganze etwas surreal vor. Soll in vier Wochen schon Weihnachten sein? Eben war doch noch Sommer. Wir sind doch erst vor kurzem aus dem Norden in den Süden gezogen. Wie konnte die Zeit so schnell und von mir fast unbemerkt vergehen?
Die letzten Monate waren extrem gefüllt. Ein Tag nach dem anderen hat unsere volle Aufmerksamkeit gefordert. Und nun ist plötzlich Adventszeit!

Zuhause äußere ich diesen Gedanken gegenüber meiner Frau. Sie fragt: „Ist das nicht jedes Jahr so?“
Sie hat Recht. Irgendwie werden wir und viele andere Menschen alle zwölf Monate davon überrascht, dass Weihnachten ist. Das Gefühl, dass ein Jahr wie im Flug vergeht, das kennen nicht nur wir.

Ich merke, dass wir in einem hohen Tempo durch die letzten Monate geflogen sind. Es gab viele Veränderungen. Immer noch ist vieles neu und wir gewöhnen uns an die neuen Gegebenheiten und Aufgaben.
Es ist völlig normal. Alles braucht seine Zeit.
So realisiere ich, dass ich innerlich noch unterwegs bin. Einerseits bin ich schon da – und ich bin gerne da. Andererseits bin ich noch nicht ganz angekommen. Kein Wunder bei dieser Geschwindigkeit.

Jetzt ist Advent. Oft eine gefüllte und hektische Zeit. Aber vielleicht gelingt es in diesem Jahr, besinnliche Zeiten zu haben. Zeiten, in denen wir zur Ruhe kommen können.

Ich möchte etwas Geschwindigkeit reduzieren und mich besinnen auf das Wesentliche.

Ein Gedicht über Salz und Licht

Ihr seid das Salz der Erde.
Er sagt: ihr seid es schon,
und nicht: Es werde.
Ihr seid das Licht der Welt.
Als Lichter hat er euch in die Welt
gestellt.

Christus spricht:
Der Welt bin ich das Licht.
Also muss er auch das Salz der Erde sein.
Denn wie kann ich etwas sein,
was er nicht ist?

Ist er nicht alles in allem?
Salz und Pfeffer,
Chili, Ingwer, Kardamon,
Kümmel, Nelken,
Curry, Paprika,
Rosmarin und Thymian.

Salz hält am Leben
und gibt dem Leben Geschmack.
Licht erleuchtet den Weg
und wehrt die Dunkelheit ab.

Es breitet sich aus.
Sein Reich gewinnt Raum.
Teilchen und Wellen
hält niemand in Zaum.

Die Stadt auf dem Berge ist bewohnt.
Der Gott, der hoch im Himmel thront,
sendet sein Licht zu dir und mir.
Aus der Krippe heraus scheint es hier.
Es strahlt dich und mich an.
Mit diesem Kind neues Leben begann.

So lass dein Licht leuchten.
Verbirg es nicht.
Nicht in deinem Herzen.
Nicht durch den Eimer oder die Wand.
Aller Welt werde
der Schöpfer des Universums bekannt.

Nationen sollen loben und preisen,
die Völker seinen Namen erhöh’n.
Unsere Taten lassen ein Stück
der Herrlichkeit Gottes seh’n.

Dieser Text wurde inspiriert durch einen Abschnitt der sogenannten Bergpredigt von Jesus Christus. Nachzulesen in der Bibel, Matthäusevangelium, Kapitel 5, Verse 13-16.

Ankommen

Mit einer Kugel Stracciatella und einer Kugel Cookies sitze ich am Wilhelminenplatz. Es ist schon Abend und ich genieße die entspannte Atmosphäre. Rechts neben uns nimmt eine Familie Fotos auf. Vor uns haben sich gerade drei Personen niedergelassen und teilen sich eine Flasche Weißwein. Links von uns sitzen wieder andere Leute.

Ich mag diesen Moment mit der Abendsonne, einem Eis und den Eindrücken um mich herum. Da sage ich zu meiner Tochter, die neben mir sitzt: „Morgen fahren wir wieder nach Hause.“ Sie stutzt kurz, lacht und macht mich darauf aufmerksam, dass dieser Satz so nicht ganz stimmt.

Zwei Tage zuvor bin ich in mein neues Zuhause gezogen. Mein gerade spontan geäußerter Ausspruch macht mir klar, dass ich noch nicht ganz angekommen bin.

Hinter uns als Familie liegen anstrengende Wochen der Umzugsvorbereitung. Den Transport unserer Möbel, der Küche und der 182 Kisten und Kartons hat eine Firma übernommen. Zwei Drittel unserer Familie ist für diese Tage bei meinen Schwiegereltern untergekommen. Eine meiner Töchter und ich sind die 500 Kilometer von Ostfriesland nach Darmstadt gefahren, um den Umzug zu begleiten und schon mal die Möbel aufzubauen.

Die Schlüssel des Hauses, in dem wir die letzten zehn Jahre gewohnt hatten, habe ich bereits an den Vermieter übergeben. Dieses Zuhause gibt es also gar nicht mehr. Die neue Wohnung steht zwar voller Möbel und Kartons. Ich habe auch schon die Schlüssel bekommen. Aber ich habe innerlich noch nicht realisiert, dass ich nun in Darmstadt wohne.

Als ich sagte, dass ich nach Hause fahre, meinte ich damit wohl meine Familie. Meine Frau und meine Kinder.

In meinem Leben bin ich schon oft umgezogen. Ich kann mich auf neue Umstände und Gegebenheiten einstellen. Und ich glaube auch, dass es mir dieses Mal gelingen wird. Wir haben dort eine Wohnung und viele Menschen, die sich auf unser Kommen freuen. Morgen fahren wir als Familie in unser neues Zuhause.

Unabhängig davon, wo ich wohne, betrifft die Thematik auch meinen Glauben. Heute habe ich einen Gottesdienst verfolgt, in dem es um den Psalm 23 ging. Er endet mit den Worten: Ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. (Vers 8)

Ich habe ein Zuhause bei Gott. Bei ihm bin ich immer willkommen. Egal, ob ich gerade unterwegs bin oder an einem festen Ort. Auch bei aller Bewegung und Veränderung habe ich eine Heimat bei ihm. Er ist ein fester Halt und ein sicherer Hafen. Bei Gott bin ich angekommen. Schon jetzt und für immer.

Die Jugend von heute

Ich steige in die Buslinie H, um zur Stadtmission zu fahren. Mit mir steigen auch andere Leute ein.

Ein Jugendlicher lässt mir den Vortritt als wir sehen, dass nur noch eine Sitzreihe frei ist. Als an der nächsten Station wieder ein Sitz frei wird, setzt es sich dorthin, um an der folgenden Haltestelle wieder aufzustehen, um einem älteren Mann Platz zu machen. Ein anderer Jugendlicher bieten seinen Platz ebenfalls einem Senioren an.

Am nächsten Tag sehe ich, wie eine Jugendliche beim Einsteigen einer älteren Frau bewusst den Vortritt lässt.

Hatte der alte Aristoteles etwa doch nicht Recht, als er sich über die rücksichtlose Jugend beschwerte?

„Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen“ (Aristoteles, 384-322 v. Chr.)

So schlimm kann es doch nicht sein, wenn die Generationen aufeinander achten. Es gibt doch noch Hoffnung.

Da wären wir wieder

Stundenlang mussten Sie auf ihren Sitzen warten. Vor 30 Jahren – im Sommer 1991 – wurden sie Teil eines legendären Musikvideos. Die 18-25jährigen wurden im Vorfeld per Flyer informiert, dass der Dreh etwas länger dauern könnte. Im Laufe der Zeit staute sich dabei immer mehr Frust an.

Als sie dann aufgefordert wurden, zur Musik richtig abzugehen, gab es kein Halten mehr. Die Leute flippten völlig aus. Auch die Band gab alles. Schließlich zertrümmert Kurt Cobain die Gitarre.

Vor einigen Tagen erinnerte ich mich wieder an das Video „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana. Ich hörte einen Podcast über 1001 Musikgeschichten zum Jahr 1991.

Irgendwie sah ich eine Parallele zwischen dem Video von damals und der Situation heute. Wir waren Monate lang Pandemie bedingt aufgerufen, uns in vielen Dingen zurück zu halten. Kontakte reduzieren, kaum Veranstaltungen und so weiter. Bildlich gesprochen: still sitzen.

Jetzt kommen die Lockerungen. Auf einmal wird vieles wieder möglich. Und ziemlich schnell füllt sich sogar bei mir der Terminkalender wieder. Es scheint als wollten alle gleichzeitig durchstarten. Kein Wunder. Da hat sich viel angestaut in den letzten Monaten.

Und hier das Video:

Bis der TÜV uns scheidet

Mein erstes Auto war ein Ford Fiesta. Die Farbe würde ich als irgendwas zwischen orange und rot bezeichnen. Es war das Auto, das ich von meiner Mutter übernommen habe. Als später ein neues Fahrzeug fällig wurde, habe ich meinen Bruder gefragt, der damals im Autohaus gearbeitet hat. Er sollte die Augen offen halten falls ein passender Gebrauchter rein kommt. Mir waren nur zwei Dinge wichtig:
1. kein Fiesta!
2. nicht rot!
Irgendwann rief er mich an und sagte, er hätte ein Auto für mich. Allerdings: es ist ein roter Fiesta. So fuhr ich also wieder Ford. Danach gab es einen Opel und einen Renault.

Im Frühjahr 2009 – wir lebten als Familie inzwischen am Neckar – musste ich beruflich einige Kilometer mit dem Auto fahren. Das ging schon ein paar Monate so. Auf längere Sicht wollte ich nicht die 9.000 Kilometer pro Jahr zusätzlich auf unsere französische Familienkutsche packen. Außerdem war das Auto so gefedert, wie die französische Sprache klingt: sehr weich. Bei meinen Touren durch den Odenwald machte sich die weiche Federung in den vielen Kurven bemerkbar.

Wir beschlossen, für meine dienstlichen Fahrten einen kleinen Gebrauchtwagen anzuschaffen. Das Problem dabei war nur: Die Abwrackprämie. Alte Autos konnten beim Kauf eines Neuen verschrottet werden und der Käufer bekam für den Alten noch 2.000 Euro. In der Konsequenz war es wirklich schwierig, ein Auto in dieser Preisklasse zu finden. Ich hatte es bei mehreren Händlern probiert. Keine Chance.

Als unsere Freundin Sabine davon hörte, sagte sie, dass sie noch ein Auto in der Garage stehen hat. Sie hatte es für ihre Fahrten zur Arbeit gebraucht. Wegen der Erziehungszeit der Kinder stand es nun aber ungenutzt herum. Ich könnte den Wagen haben.

Also fuhr ich wieder Fiesta, Baujahr 1995, 1,3 Liter Hubraum. Diesmal aber in blau. Ausgestattet mit einem Kassettenradio.

Seitdem war das Auto ein treuer und zuverlässiger Begleiter. Es fuhr mich den Neckar entlang. Einmal fuhr es mich auch durch den Neckar als das Hochwasser schon begann, die Straße zu überfluten. Viele, viele Kilometer gingen aber in den Odenwald hinein. Der Fiesta lag dank härterer Federung viel stabiler in den Kurven. Selbst bei Schneefall kam ich damit gut ans Ziel.

Ich hatte mir einen MP3-Player besorgt und Musik, Vorträge und Predigten darauf geladen. So konnte ich mit einem Adapter für das Radio die Fahrten auch dafür nutzen, gute Dinge zu hören.

Als wir nach Ostfriesland umzogen, kam der Ford natürlich mit und auch hier nutze ich ihn vor allem für dienstliche Fahrten. Mit meinem Kollegen Jörg hatte ich oft eine Fahrgemeinschaft. Und wir haben viele gute Gespräche geführt.

Jedes Mal, wenn die Hauptuntersuchung fällig wurde, bin ich davon ausgegangen, dass die Reparaturen sich nicht mehr lohnen würden. Doch jedes Mal war ich überrascht, dass es noch weiter ging. Der Fiesta ist ein robustes Gefährt. Der übliche Verschleiß. Und wenn mal was war, dann fuhr ich in die Werkstatt meines Vertrauens. Dort haben sich die Mechaniker gefreut, weil sie noch ihr Handwerk zeigen konnten. Es ist eben etwas anderes als Fehler auszulesen und einen elektronischen Bausatz auszutauschen. Als zum Beispiel der Benzinschlauch leckte, einfach ein paar Zentimeter abschneiden, neue Schelle drum, fertig.
Außerdem ist der Wagen ein Raumwunder. Bei umgeklappter Rückbank passte sogar ein Fahrrad rein.

Der Auspuff ist gebrochen.

Zum Schluss wurde es dann nochmal spannend. Der Auspuff wurde geschweißt. Dann brach das Rohr doch und sie haben mir ein Roh dazwischen geschweißt. Kfz-Handwerks-Kunst. Mehr ging dann aber wirklich nicht mehr.

Heute war der Tag, an dem der TÜV ablief. Ich lade den zweiten Satz Reifen ins Auto. Die Kinder turnen noch einmal in den Wagen und steigen auf das Dach. Schließlich kam der Moment des Abschieds. Ich fahre zur Autoverwertung und bekomme am Ende noch ein paar Euro Schrottgeld.

Nach 12 Jahren ist er weg, der Ford Fiesta. Es war gut, dass wir ihn so lange hatten.

Und hier noch ein Lied zum Auto: 😉