Da wären wir wieder

Stundenlang mussten Sie auf ihren Sitzen warten. Vor 30 Jahren – im Sommer 1991 – wurden sie Teil eines legendären Musikvideos. Die 18-25jährigen wurden im Vorfeld per Flyer informiert, dass der Dreh etwas länger dauern könnte. Im Laufe der Zeit staute sich dabei immer mehr Frust an.

Als sie dann aufgefordert wurden, zur Musik richtig abzugehen, gab es kein Halten mehr. Die Leute flippten völlig aus. Auch die Band gab alles. Schließlich zertrümmert Kurt Cobain die Gitarre.

Vor einigen Tagen erinnerte ich mich wieder an das Video „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana. Ich hörte einen Podcast über 1001 Musikgeschichten zum Jahr 1991.

Irgendwie sah ich eine Parallele zwischen dem Video von damals und der Situation heute. Wir waren Monate lang Pandemie bedingt aufgerufen, uns in vielen Dingen zurück zu halten. Kontakte reduzieren, kaum Veranstaltungen und so weiter. Bildlich gesprochen: still sitzen.

Jetzt kommen die Lockerungen. Auf einmal wird vieles wieder möglich. Und ziemlich schnell füllt sich sogar bei mir der Terminkalender wieder. Es scheint als wollten alle gleichzeitig durchstarten. Kein Wunder. Da hat sich viel angestaut in den letzten Monaten.

Und hier das Video:

Bis der TÜV uns scheidet

Mein erstes Auto war ein Ford Fiesta. Die Farbe würde ich als irgendwas zwischen orange und rot bezeichnen. Es war das Auto, das ich von meiner Mutter übernommen habe. Als später ein neues Fahrzeug fällig wurde, habe ich meinen Bruder gefragt, der damals im Autohaus gearbeitet hat. Er sollte die Augen offen halten falls ein passender Gebrauchter rein kommt. Mir waren nur zwei Dinge wichtig:
1. kein Fiesta!
2. nicht rot!
Irgendwann rief er mich an und sagte, er hätte ein Auto für mich. Allerdings: es ist ein roter Fiesta. So fuhr ich also wieder Ford. Danach gab es einen Opel und einen Renault.

Im Frühjahr 2009 – wir lebten als Familie inzwischen am Neckar – musste ich beruflich einige Kilometer mit dem Auto fahren. Das ging schon ein paar Monate so. Auf längere Sicht wollte ich nicht die 9.000 Kilometer pro Jahr zusätzlich auf unsere französische Familienkutsche packen. Außerdem war das Auto so gefedert, wie die französische Sprache klingt: sehr weich. Bei meinen Touren durch den Odenwald machte sich die weiche Federung in den vielen Kurven bemerkbar.

Wir beschlossen, für meine dienstlichen Fahrten einen kleinen Gebrauchtwagen anzuschaffen. Das Problem dabei war nur: Die Abwrackprämie. Alte Autos konnten beim Kauf eines Neuen verschrottet werden und der Käufer bekam für den Alten noch 2.000 Euro. In der Konsequenz war es wirklich schwierig, ein Auto in dieser Preisklasse zu finden. Ich hatte es bei mehreren Händlern probiert. Keine Chance.

Als unsere Freundin Sabine davon hörte, sagte sie, dass sie noch ein Auto in der Garage stehen hat. Sie hatte es für ihre Fahrten zur Arbeit gebraucht. Wegen der Erziehungszeit der Kinder stand es nun aber ungenutzt herum. Ich könnte den Wagen haben.

Also fuhr ich wieder Fiesta, Baujahr 1995, 1,3 Liter Hubraum. Diesmal aber in blau. Ausgestattet mit einem Kassettenradio.

Seitdem war das Auto ein treuer und zuverlässiger Begleiter. Es fuhr mich den Neckar entlang. Einmal fuhr es mich auch durch den Neckar als das Hochwasser schon begann, die Straße zu überfluten. Viele, viele Kilometer gingen aber in den Odenwald hinein. Der Fiesta lag dank härterer Federung viel stabiler in den Kurven. Selbst bei Schneefall kam ich damit gut ans Ziel.

Ich hatte mir einen MP3-Player besorgt und Musik, Vorträge und Predigten darauf geladen. So konnte ich mit einem Adapter für das Radio die Fahrten auch dafür nutzen, gute Dinge zu hören.

Als wir nach Ostfriesland umzogen, kam der Ford natürlich mit und auch hier nutze ich ihn vor allem für dienstliche Fahrten. Mit meinem Kollegen Jörg hatte ich oft eine Fahrgemeinschaft. Und wir haben viele gute Gespräche geführt.

Jedes Mal, wenn die Hauptuntersuchung fällig wurde, bin ich davon ausgegangen, dass die Reparaturen sich nicht mehr lohnen würden. Doch jedes Mal war ich überrascht, dass es noch weiter ging. Der Fiesta ist ein robustes Gefährt. Der übliche Verschleiß. Und wenn mal was war, dann fuhr ich in die Werkstatt meines Vertrauens. Dort haben sich die Mechaniker gefreut, weil sie noch ihr Handwerk zeigen konnten. Es ist eben etwas anderes als Fehler auszulesen und einen elektronischen Bausatz auszutauschen. Als zum Beispiel der Benzinschlauch leckte, einfach ein paar Zentimeter abschneiden, neue Schelle drum, fertig.
Außerdem ist der Wagen ein Raumwunder. Bei umgeklappter Rückbank passte sogar ein Fahrrad rein.

Der Auspuff ist gebrochen.

Zum Schluss wurde es dann nochmal spannend. Der Auspuff wurde geschweißt. Dann brach das Rohr doch und sie haben mir ein Roh dazwischen geschweißt. Kfz-Handwerks-Kunst. Mehr ging dann aber wirklich nicht mehr.

Heute war der Tag, an dem der TÜV ablief. Ich lade den zweiten Satz Reifen ins Auto. Die Kinder turnen noch einmal in den Wagen und steigen auf das Dach. Schließlich kam der Moment des Abschieds. Ich fahre zur Autoverwertung und bekomme am Ende noch ein paar Euro Schrottgeld.

Nach 12 Jahren ist er weg, der Ford Fiesta. Es war gut, dass wir ihn so lange hatten.

Und hier noch ein Lied zum Auto: 😉

Düster

Ein etwas unangenehmes und bedrückendes Thema: Angst.
Was macht Angst? Wie fühlt sie sich an? Wie damit umgehen?
Zu den ersten beiden Fragen habe ich mich ins Thema eingefühlt, einen Text geschrieben und im Rahmen eines (digitalen) Gottesdienstes mit dem Jugendkreis am Sonntag vorgetragen. Auf die dritte Frage ist Henrik in seiner Predigt eingegangen.

Der Text endet offen. Aber hier möchte ich gern noch einen Gedanken anfügen.
Jeder Mensch weiß, was Angst ist. Sie ist bedrückend. Doch es gilt auch, was Jesus im Johannesevangelium Kapitel 16, Vers 33 sagt: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Auch Jesus kennt Angst. Aber indem er die Welt überwindet, überwindet er auch die Angst.

Hier ist der Text zu hören:

Abgebrochen

Ich sitze zusammen mit etwa 200 Personen in einem Raum. Vorne auf der Leinwand läuft ein Medley mit Liedern über 3000 Jahre Gotteslob. Wir als Zuhörer spüren etwas von der Kraft, die durch die Musik und ihre Texte ausgeht.


Danach kommt ein Mann auf die Bühne. Er wirkt etwas geknickt. Da ich mit dem Ablauf vertraut bin, weiß ich, dass eigentlich an dieser Stelle das Einführungsvideo zum nächsten Vortrag folgen soll. Die Veranstalter weichen also davon ab. Es muss etwas passiert sein, was eine Planänderung erforderte.
Sichtlich betroffen verkündet der Kongressveranstalter, dass der Kongress nun abgebrochen wird. Ein Referent ist positiv auf Covid 19 getestet worden. Er war zwar wegen der Erkrankung nicht zum Kongress angereist, hatte sich aber wenige Tage vorher mit einigen Verantwortlichen und anderen Referenten für Absprachen getroffen.


Etwas benommen sitze ich auf meinem Platz und kann noch nicht begreifen, dass jetzt der Kongress zu Ende ist. Ich war doch so begeistert, dass es uns gelungen war, mit vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern eine Übertragung dieses dreitätigen Kongresses von Karlsruhe nach Ostfriesland zu organisieren. Viele Monate vorher hatte sich eine Initiative gegründet, die ein kräftiger Motor für diese Aktion war. Ich hatte mich so lange gefreut auf die guten Impulse. Und nun war nach 1 ½ Tagen plötzlich alles vorbei.
Als Notprogramm ließen wir noch einen Vortrag aus der Konserve laufen. Ein sehr guter Vortrag vom letzten Kongress zwei Jahre zuvor in Dortmund, bei dem ich mit 10.000 anderen live dabei war. Aber ich konnte nicht sitzen bleiben und weiter zuschauen. Die Situation wühlte mich auf. Ich stand auf und so besprachen wir uns mit den anderen Verantwortlichen, wie wir nun verfahren.

Diese Geschichte ist jetzt genau ein Jahr her. Es war der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass Corona da ist. In meiner Welt. Mit ganz konkreten Konsequenzen. Bis dahin war es irgendwie noch weit weg. Zwar erinnere ich mich auch, dass ich vier Wochen vorher damit angefangen hatte, deutlich weniger Hände zu schütteln. Aber nun hatte sich doch etwas geändert.

Zwei Tage später verzichtete ich aufgrund der Ereignisse auf das Austeilen des Abendmahls im Gottesdienst. Am Nachmittag saß ich bei der Amtseinführung eines Kollegen in einer voll besetzten Kirche. Anschließend gab es noch einen Empfang im Gemeindehaus mit Tee und Kuchen. Dicht an dicht gedrängt waren die Leute an Tischen platziert. Einige aßen den Kuchen an Stehtischen.
Solche Szenen wirken rückblickend wie aus einer lange vergangenen Zeit.
Zwei Wochen später improvisierte ich dann meinen ersten Online-Gottesdienst.
Ja, es hat sich vieles so krass verändert. Wir leben immer noch unter dem Einfluss der Pandemie. Wir wissen nicht, was in ein oder zwei Wochen sein wird, geschweige denn in ein bis zwei Monaten oder gar Jahren.

Doch ich lebe weiter in der Hoffnung, dass es Zukunft gibt. Vielleicht wird sie anders sein, als wir es vor wenigen Jahren noch gedacht haben. Aber ich glaube daran, dass es immer Zukunft und Hoffnung gibt, so wie es der Prophet Jeremia in Kapitel 29, Vers 11 sagt: Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.

Hoffen und warten

Gastbeitrag von Mirjam

Ich habe diesen Bibelvers mit der Karte zu Weihnachten geschenkt bekommen. Von einer lieben Freundin, die mich im vergangenen Jahr begleitet hat und mir immer wieder Verse und Zusprüche hat zukommen lassen. Mir ist diese Bibelstelle in diesem Jahr mehrfach begegnet und diese Zusage hat mich durch schwere Tage durchgetragen.

Die alte Lutherübersetzung schreibt: “Aber die auf den Herrn harren kriegen neue Kraft…“

Ich mag diese Übersetzung. Auf den Herrn harren…harren bedeutet (laut Deutschem Wörterbuch): sehnsüchtig warten, jemanden/etwas herbeisehnen/herbeiwünschen.

Wir, als Familie, haben uns in diesem Jahr so sehr einen neuen Platz zum Leben/Arbeiten herbeigesehnt/gewünscht. Aber Gott hatte andere Wege für uns. Wir sollten weiter hier bleiben mit anderen Aufgaben/anderen Rollenverteilungen, auch für uns als Ehepaar.

Für mich hieß es im Sommer nochmal eine ganz neue Aufgabe hier zu beginnen, plötzlich 80% zu arbeiten und sehr viel Kraft in diese neue Aufgabe zu stecken.

Es war ein schwieriger Start dort und ich musste es lernen auszuharren und meinen Blick jeden Tag neu auf Jesus, meinen Herrn, zu lenken. Was für schwere Wochen waren das in den ersten drei Monaten nach meinem Arbeitsbeginn. Denn dazu hieß es für uns als Familie weiter auszuharren und auch Rückschläge einzustecken in unserem Wunsch für einen neuen Platz für uns als Familie.

Aber ich spürte, dass Gott Kraft und Ausdauer gibt, immer für den einen Tag, der vor mir liegt. Doch es war ein Klammern an Gott und oft auch ein Zweifeln an mir selber, ob ich es schaffe.

Nach den drei Monaten spürte ich dann Stück für Stück mehr das Getragensein. Ich konnte die Ängste und die Selbstzweifel besser an Gott abgeben.

Doch es bleibt weiter ein „Harren auf den Herrn“ und auch wir als Familie müssen weiter ausharren, was Gott wohl für einen Weg/ einen neuen Platz für uns hat. Und auch weiter mit Rückschlägen oder Verzögerungen umgehen, auch Corona bedingt. Dafür brauchen wir an jedem neuen Tag wieder den Blick auf Jesus und oft auch einfach das Klammern an seine Zusagen.

Weihnachten retten?

Müssen wir Weihnachten retten?

Oder rettet Weihnachten uns?

Heute ist euch der Retter geboren. (Lukasevangelium, Kapitel 2, Vers 11)

Fürchte dich nicht!

Gelegentlich schreibe ich für eine regionale Sonntagszeitung eine Andacht. Diesmal war ich für den zweiten Advent eingeteilt. Sehr schnell kam ich auf die Idee, einen Text von Micha Kunze darin zu verarbeiten.

Die Ermutigung „Fürchte dich nicht!“ kommt in der Bibel ziemlich oft vor – manche sagen 365 mal (ich habe es nicht nachgezählt).
Ich lese in der Bibel. Manchmal ist es so, dass ich darin Texte lese und sie mir gut tun, mir Gedanken öffnen, mich beschäftigen. Aber manchmal ist es auch so, dass bestimmte Sätze oder Formulierungen mich aus der Bibel heraus „anspringen“. Diese Sätze entwickeln dann eine besondere Kraft.

Vor über einem Jahr hat der Satz „Fürchte dich nicht!“ bei mir eine Wirkung gehabt. Es war als wenn Gott mir darin deutlich gemacht hat: Ich kenne deine Herausforderungen, deshalb fürchte dich nicht, ich bin da!
Als ich dann einige Monate später auf den Text von Micha Kunze gestoßen bin, war dieser Text für mich ein Verstärker der Zusage Gottes.

Gott durchbricht mit seinem Licht unsere Dunkelheiten. Deshalb ist nicht immer sofort alles gut. Aber es entsteht Hoffnung und Vertrauen, dass Gott eingreift.

Wer mag, kann hier das Poetry-Video anschauen:

Tooor

„Macht die Tür auf!
Macht das TOR weit!“
schallt es von der Südtribüne.

Mein Adventskalender

Ach ne, das steht ja im Psalm 24. Es geht dabei gar nicht um das Runde, das ins Eckige muss. Auch wenn ich mir so eine Szene im Stadion schon vorstellen kann mit einem Olé als Refrain, oder mit rhythmischem Klatschen.

Im Psalm geht es darum, dass Gott sich auf den Weg gemacht hat. Er ist unterwegs zu den Menschen. Er ist im Begriff, zu uns zu kommen. Wir Menschen sind aufgerufen, ihm unsere Türen zu öffnen.

Wenn du also die Türen am Adventskalender öffnest, dann kannst du dich daran erinnern, dass Gott auf dem Weg ist und du kannst ihm die Tür öffnen – zu deinem Herzen, zu deinem Leben.

Eine schöne und gesegnete Adventszeit!

Polarluft

Meine Meinung: Es ist kälter geworden. Dieses Coronavirus macht wohl den meisten Menschen zu schaffen. Wenn ich die letzten Wochen und Monate Revue passieren lasse, dann habe ich den Eindruck, dass sich in dieser Zeit vieles verdichtet hat. Manche nennen Corona ein Brennglas, manche einen Katalysator, manche einen Beschleuniger. Ich empfinde es so, dass durch die Krise einiges sichtbar wird, was bisher nicht so deutlich zu erkennen war.

Auf einen Punkt möchte ich hier etwas eingehen. Es ist die zunehmende Polarisierung. Ich nehme die gesellschaftliche Entwicklung so wahr, dass Meinungen immer mehr in Kontra-Haltungen bestehen und dass dadurch die Mitte immer schmaler wird.

Der Blick nach Nordamerika zeigt, dass durch die starke Polarisierung der Graben in der Gesellschaft immer tiefer geworden ist. Der US-Wahlkampf hat eine Nation gespalten. Ein neues Miteinander der gegnerischen Parteien zu gestalten, scheint eine mega Aufgabe zu sein. Ich behaupte nicht, dass ich einen tieferen Einblick in die amerikanische Kultur habe. Trotzdem erkenne ich eine gespaltene Nation.

Gleichzeitig sehe ich in Deutschland ebenfalls großes Spaltungspotenzial. Der Umgang mit der Corona-Situation führt immer mehr zu einer Bildung verschiedener Lager. Ist man für die Maßnahmen oder dagegen. Fühlt man sich eingeschränkt oder nicht. Ich habe den Eindruck, dass es auch hier eine Polarisierung gibt, die voran schreitet. Es führt zum Beispiel dazu, dass man sich gut überlegt, mit wem man über seine Meinung zu Corana im Allgemeinen und im Speziellen redet. Der andere könnte ja eine andere Meinung haben als ich. Was denke ich dann von ihm? Und was denkt er dann von mir? Wird unsere Meinung einen Einfluss auf unsere Beziehung haben? Wie kategorisieren wir uns, wenn wir manche Stichworte des anderen hören?

Wir müssen aufpassen, dass wir uns als Gesellschaft nicht auseinander bewegen. Es braucht den Zusammenhalt. Es braucht Einheit. Letztlich sitzen wir alle im gleichen Boot und spielen im gleichen Team.

Was wir brauchen sind Menschen, die Frieden stiften. Menschen, die versöhnend auftreten, die einen statt zu spalten.
Jesus sagt in der Bergpredigt (Matthäusevangelium, Kapitel 5 Vers 9): Glückselig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Diesen Satz würde ich mit unserer Situation verbinden. Und wenn ich den Satz „rückwärts“ lese, dann liegt es auch (aber nicht nur) an denen, die sich als Kinder Gottes bezeichnen, für Frieden einzutreten, sich nach Frieden auszustrecken und Frieden zu stiften.

Es ist kompliziert

Nein, nicht der Beziehungsstatus. Vielmehr die Wirklichkeit oder besser gesagt, das Abbild der Welt in mir, das mir als die Wirklichkeit erscheint.
Ich merke, dass ich mich kompliziert ausdrücke. Was ich sagen will ist: Woher will ich wissen, was die Wirklichkeit ist, wenn jeder Mensch sie anders wahrnimmt?

In dieser Woche habe ich mich im Coachingstudium mit Glaubenssätzen, Wahrnehmung der Wirklichkeit und mentalen Metaprogrammen beschäftigt. Irgendwann dachte ich mir: Es ist kompliziert. Es gibt so vieles, was unbewusst meine Wahrnehmung beeinflusst und auch die Art, wie ich Sinneseindrücke kategorisiere und bewerte. Da gibt es einiges, was als Filter wirkt.

Ich lebe nicht nur in einer medialen Filterblase, in der irgendwelche Algorithmen mir Inhalte vorfiltern. Eigentlich lebe ich in meiner eigenen Filterblase. Ich filtere mit meinen fünf Sinnen das heraus, was zu meinen Vorannahmen und Überzeugungen passt. Mentale Metaprogramme strukturieren mein Denken, Fühlen und Handeln, ohne dass ich mir dessen bewusst bin.
Es klingt doch etwas nach Sciencefiction. Es entsteht eine innere Weltkonstruktion, die nur ich genau so sehe und erlebe.

An diesen Gedanken muss ich mich erst noch gewöhnen. Er passt nicht so richtig in mein bisheriges vorstrukturiertes Denken, das von einer objektiven Wirklichkeit ausgeht, die man mit genügend gutem Willen auch erkennen kann, und die von jedem so erkennbar ist.
Oder passt das jetzt doch rein? Ist das auch schon wieder gefiltert? Oder nicht?
Es ist kompliziert.